Geförderte Projekte
Theateraufführung an der Schule: „Nathan der Weise“ von G. E. Lessing
| Projektstart: | 14.04.2026 |
„Wir haben beide uns unser Volk nicht auserlesen. Sind wir unser Volk? Was heißt denn Volk? Sind Christ und Jude eher Christ und Jude, als Mensch? Ah! wenn ich einen mehr in Euch Gefunden hätte, dem es g’nügt, ein Mensch zu heißen!“ (Nathan in „Nathan der Weise“, Vers 1307-1313)
Ein Vater besitzt einen kostbaren Ring, der die besondere Gabe hat, seinen Träger, der den Ring in Zuversicht trägt, bei den Menschen angenehm zu machen. Der Ring wird immer vom Vater an den liebsten Sohn weitergegeben, bis ein Vater sich eines Tages nicht entscheiden kann, welchen Sohn er am meisten liebt. Also lässt er zwei dem Ring identische Kopien anfertigen, sodass nicht mehr erkennbar ist, welcher der ursprüngliche Ring ist. Der Vater gibt jedem Sohn einen Ring. Doch nach dem Tod des Vaters streiten sich die Söhne darüber, wer den echten Ring besitzt. Ein Richter erklärt schließlich, dass die Echtheit nicht entscheidend sei, sondern dass jeder durch sein eigenes Handeln zeigen solle, dass er den wahren Ring trage, indem er der vorurteilfreien Liebe nacheifre.
Diese sogenannte „Ringparabel“ erzählt der Jude Nathan dem Sultan Saladin im 7. Auftritt des 3. Akts in Gotthold Ephraim Lessings (1729-1781) Drama „Nathan der Weise“. Die Ringe in der Parabel stehen symbolisch für die drei Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam. In der Parabel wird der gemeinsame Ursprung der Religionen und damit ihre Verwandtschaft dargestellt. Doch auch in der Handlung des Stückes zeigt sich immer mehr, wie verwoben die (verwandtschaftlichen) Beziehungen der christlichen, jüdischen und islamischen Figuren sind.
G. E. Lessings 1779 veröffentlichte Werk „Nathan der Weise“ stammt aus der literarischen Epoche der Aufklärung (ca. 1720-1800). Das Drama vermittelt die zentrale Botschaft von religiöser Toleranz und Menschlichkeit über Glaubensgrenzen hinweg. Es zeigt, dass wahre Werte wie Vernunft, Mitgefühl und moralisches Handeln bedeutender sind als die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion. Die Figuren aus Judentum, Christentum und Islam werden als gleichwertig dargestellt, was zur Verständigung zwischen den Religionen aufruft. Lessing plädiert dafür, Vorurteile abzubauen und sich gegenseitig mit Respekt zu begegnen. Insgesamt fordert das Werk ein friedliches Zusammenleben aller Menschen, unabhängig von Herkunft oder Glauben.
Dieser Denkansatz ist in der Epoche der Aufklärung durchaus sehr modern und hat auch heute noch eine sehr hohe Aktualität aufzuweisen. Denn leider gibt es auch heute noch genug Diskriminierung, Konflikte oder sogar Kriege, die ursächlich oder auch offen im Namen von Religionen ausgetragen werden und dazu führen, dass Menschen leiden oder gar getötet werden. Die Botschaft von Toleranz und Verständigung zwischen Religionen und Kulturen ist damit heute genauso wichtig wie zur Zeit Lessings. In einer globalisierten Welt, in der Konflikte oft aus religiösen oder kulturellen Unterschieden entstehen, mahnt das Drama zu gegenseitigem Respekt und Offenheit. Es zeigt, wie gefährlich Vorurteile sein können und wie wichtig es ist, den Menschen zu sehen. Gerade in Zeiten von Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit erinnert das Stück daran, dass Menschlichkeit über allem stehen sollte. „Nathan der Weise“ bleibt somit ein zeitloses Plädoyer für Frieden, Toleranz und ein harmonisches Zusammenleben.
Aufgeführt wurde das Stück vom Ensemble der Neuen Werkbühne München. Seit bereits 56 Jahren arbeitet diese als professionelles Tourneetheater, das von Schulen in Bayern engagiert werden kann. Die Inszenierungen sind werkgetreu, aber auch um Modernität bemüht und vor allem auch so gekürzt, dass die Spielzeiten zwei Schulstunden nicht überschreiten und dabei die wesentlichen Inhalte erhalten bleiben. Das Repertoire umfasst viele Werke der Literatur, die dann direkt an der Schule aufgeführt werden. In den letzten Jahren hatten wir schon mehrfach Inszenierung der Neuen Werkbühne München bei uns im Haus und konnten somit den Schüler*innen den Genuss einer Aufführung bieten. Im Anschluss an das Stück „Nathan der Weise“ konnten die Schüler*innen noch Fragen an die Schauspieler*innen stellen.
Beim Stifterforum der Sparkasse Dachau wurde für die Theateraufführung eine Projektfinanzierung in Höhe von 1.392 € beantragt, die die Kosten gedeckt hat. Unser Dank gilt also nicht nur dem Ensemble der Neuen Werkbühne, sondern auch der "Stiftung Bildung & Wissenschaft der Sparkasse Dachau".
Text: Fachoberschule Karlsfeld
